Papier –unser täglicher Begleiter

Wie kann schonend mit dem Verbrauch von Papier umgegangen werden?

Papier setzen wir in allen Bereichen unseres Alltags ein und ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Entsprechend hoch ist der Verbrauch. In Deutschland liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei umgerechnet 120 DIN A 4-Seiten pro Tag (das 5-fache des Weltdurchschnitts). Er steigt weiterhin. Der Anstieg geht auf vermehrte Werbung, Verpackung, Fotokopien und Computerausdrucke zurück. Täglich verbrauchen wir Zeitungs- und Einpackpapier, das schon bald im Mülleimer oder bestenfalls beim Altpapier landet.

Aus welchen Bestandteilen besteht Papier?

Papier besteht grob gesehen aus drei Komponenten: Faserstoffe, Füllstoffe, Leim. Holz besteht zu 40 bis 50% aus Zellulosefasern, zu 20-30% aus Lignin und zu 15-35% aus Hemizellulosen. Den Rest stellen Öle, Harze, Gerb- und Farbstoffe. Unsere heimischen Wälder reichen für unseren enormen Papierverbrauch nicht aus, wir importieren über 80% der frischen Papierfasern aus dem Ausland. Über die Hälfte aller in Deutschland verbrauchten Fasern kommen alleine aus den nordischen Urwäldern Skandinaviens, Kanadas und der USA.

Bei Faserstoffen wird zwischen zwei Grundarten unterschieden, dem Holzstoff und dem Zellstoff. Durch eine Mischung beider Faserstoffarten können Papiere mit unterschiedlichen Eigenschaften hergestellt werden. Die Herstellung von Zellstoff läuft auf chemischen Wege, wobei Lignin und Hemizellulosen größtenteils entfernt werden und oft in die Abwässer gelangen. Nur die übriggebliebene Zellulose wird zu Zellstoff verarbeitet, d.h. nur 40-50% des Holzes kann zu Zellstoff und damit zu holzfreiem Papier verarbeitet werden.

Bei der Zellstoffproduktion wird zwischen zwei Herstellungsverfahren unterschieden.

Das "Sulfitverfahren" erfordert ein sorgfältig entrindetes Holz (meist Nadelholz), das anschließend zerkleinert und mit Hydrogensulfit- oder Sulfitlösungen gekocht wird. Beim "Sulfatverfahren" können nahezu alle Hölzer, sowie Sägewerksabfälle, Bugasse und Stroh eingesetzt werden. Diese werden mit Natronlauge oder Natriumsulfid gekocht. Sulfatzellstoffwerke sind an ihrem Geruch nach faulen Eiern zu erkennen, da sie Schwefelwasserstoff freisetzen. Während sich dieser Zellstofftyp weltweit am meisten durchgesetzt hat, gibt es in Deutschland fast nur Sulfitfabriken.

Um dem Zellstoff seine "hohe Weiße" zu geben, werden Reste des Lignins mit Chlor oder Chlorverbindungen herausgelöst oder die Farbträger des Lignins mit Sauerstoffverbindungen zerstört Die Bleichung des Holzstoffes erfolgt mit Wasserstoffperoxyd (Umwandlung der farbgebenden Teile im Lignin) Füllstoffe dienen der Qualitätsverbesserung von Papier. Es werden mineralische Stoffe (Koalin, Talkum, Kieselerde u.ä.) dem Papierstoff hinzugegeben, um Papier geschlossener, weißer, geschmeidiger zu machen. Die Zusätze können bis zu 30% ausmachen. Das meist verwendete Koalin kann vereinzelt Schwermetalle wie Blei und Chrom beinhalten.

Leim macht das Papier tintenfest. Der Leim aus pflanzlicher oder chemischer Herstellung wird bei der Leimung dem Papierstoff zugegeben und mit schwefelsaurer Tonerde auf den Papierstoff fixiert. Die Oberflächenleimung erfolgt später mit tierischem Leim.

Nutzung von Altpapier: Recycling

Für das Recycling eignet sich am besten sortenreines Papier (Zeitungspapier, unbedrucktes Papier...), doch auch gemischte Papiersorten eignen sich zum Wiederverwerten. Vollkommen ungeeignet und störend sind selbstdurchschreibende und plastikhaltige Papiersorten, wie Milchtüten, Pappteller...

Beim Recycling dienen die bereits vorhandenen Faserstoffe im alten Papier als Rohstoff für neues Papier. Dadurch entfällt die Frischfasergewinnung als umweltschädigender Prozess der Papierherstellung. Altes Papier wird mit viel Wasser in einzelne Papierfasern zerlegt. Verunreinigungen, wie Heftklammern, Drahtverschnürungen, werden entfernt. Aus dem übrigen Faserbrei werden durch Luftzufuhr Druckfarben, Füllstoffe und zu kurze Fasern an die Oberfläche geblasen und abgeschöpft. Diese Abfälle müssen als Sondermüll abtransportiert werden, weil in Druckfarben und Füllstoffen geringe Mengen giftiger Schwermetalle eingearbeitet sind. Wird Papier im normalen Müll gesammelt, gelangen diese Stoffe unkontrolliert in die Abluft der Verbrennungsanlagen und in die Böden bei der Deponierung.

Soll das Papier nach der Entfernung dieser Stoffe stärker aufgehellt werden, wird es einer Wasserstoffperoxydbleiche unterzogen. Bei Umweltschutz-Papier wird ganz auf Bleichen verzichtet und Wert auf geschlossene Wasserkreisläufe gelegt. Diese Art der Papierwiederverwertung ist die umweltschonendste.

Heutzutage kann dem Recycling-Papier eine so gute Qualität verliehen werden, dass Sorten für fast jeden Verwendungszweck erhältlich sind. Die Einkaufspreise weichen zu denen der Frischpapiere kaum ab. Beim Einsatz von Recycling-Papier gibt es kaum Nachteile zum Frischpapier. Die ökologischen Vorteile von Recycling-Papier dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese Papiere einmal aus frischen Fasern bestand und hergestellt werden musste. Deshalb ist ein sparsamer Umgang empfehlenswert (d.h. keine aufwändige Verpackung, beidseitige Beschriftung von Schreibpapier etc.).

Wenn Papier gebraucht wird, sollte auf Recycling-Papier zurückgegriffen werden, da es umweltfreundlicher ist und für fast alle Zwecke völlig ausreicht. Die Sammlung und das Recycling von Altpapier bekommt dadurch wieder einen wirtschaftlichen Anreiz und das Müllvolumen wird gesenkt. Die Natur und die Nachwelt dankt es Ihnen.