Heute für morgen handeln!


Die Welt ist kleiner geworden


Hatte unser Verhalten im Alltag früher nur regionale Bedeutung, wirkt es sich heute weltweit aus. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, die Konsequenzen unseres Handelns zu überblicken. Kaum jemandem ist klar, wie sich sein Alltagsverhalten anderswo, z.B. in Afrika oder Südamerika, auswirkt. Nicht nur aus ethisch-moralischen oder egoistischen Gründen sollte es uns nicht egal sein, sondern nicht zuletzt auch im Interesse unserer Kinder und Enkelkinder!

Ob wir bauen oder wohnen, unser Wohnumfeld und unseren Konsum, unsere Mobilität, Freizeit, Arbeit, Ernährung und Gesundheit können wir nicht isoliert betrachten, sondern sie müssen auf ihre Verträglichkeit gegenüber der Gesellschaft und auf die Zukunftsfähigkeit unseres Verhaltens überprüft werden.

Nachhaltiges Konsumieren und Wirtschaften beinhaltet eine umsichtige Nutzung von Energie und Ressourcen, die das (Über-)Leben von Menschen und Umwelt jetzt und zukünftig sichert. Es bedeutet auch Solidarität mit der sogenannten "Dritten Welt“. Eine nachhaltige Lebensweise versucht also Kosten für die Umwelt und die Nachwelt zu minimieren. Sie ist langfristig angelegt und berücksichtigt die Interessen aller sowie ökologische und soziale Folgen wirtschaftlicher Aktivitäten für die Zukunft.


Globalisierung: Wir sitzen alle an einem Tisch


Für unseren Lebensstandard nutzen wir die Ressourcen der ganzen Welt: Blumen aus Südafrika, Erdbeeren aus China, Scampis aus Indonesien, Fleisch aus Argentinien... Haben Sie sich schon mal überlegt, was sich auf ihrem Frühstückstisch weltweit angesammelt hat, damit Sie das essen können, wonach Ihnen gerade gelüstet? Haben Sie schon mal überlegt, wie viele tausend Kilometer der Joghurtbecher zurück gelegt hat, bevor er mit seinem leckeren Inhalt vor Ihnen zum Verzehr steht? Und das alles zu einem kleinen Preis. Gut bezahlbar! Wir wissen von allem den Preis und von nichts den Wert, schrieb schon um die Jahrhundertwende Oscar Wilde. Die Produzenten in der Dritten Welt gehören meist benachteiligten und unterdrückten Bevölkerungsgruppen an. Sie haben kaum Vermarktungschancen für ihre Waren und sind von Zwischenhändlern und Großgrundbesitzern abhängig. "Fairer Handel", d.h. gerechte Preise mit langfristigen Abnahmegarantien, unterstützt den Aufbau einer menschenwürdigen Existenz mit humanen Arbeitsbedingungen, angemessenen Löhnen, medizinischer Versorgung... Berücksichtigen Sie also beim Einkauf auch Waren aus fairem Handel (z.B. im "Welt-Laden").

Handelsübliche Schnittblumen sind ein Beispiel für problematische Importartikel aus Entwicklungsländern. Für Massenanbau in Süd- und Mittelamerika ist hoher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig. Dadurch wird Boden und Grundwasser belastet und Gesundheitsschäden sind die Folge. Auch zunehmend häufiger auftretende Allergien bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in hiesigen Blumenläden weisen auf gesundheitliche Risiken durch behandelte Pflanzen hin. Die langen Transportwege tragen darüber hinaus zur CO2-Problematik (Treibhauseffekt) bei. Kaufen Sie deshalb doch auch einmal einen bunten Blumenstrauß aus heimischen Pflanzen (z.B. auf dem Markt) oder fragen Sie nach Pflanzen aus ökologischem Anbau.

Was eigentlich gut gemeinte Aktionen anrichten können, wird an Altkleidersammlungen deutlich. In Europa nicht mehr verkäuflich, werden Altkleider in afrikanischen Ländern an diejenigen verkauft, die es sich dort leisten können. Diese Konkurrenzsituation vernichtet jedoch einheimische Existenzen (Schneider, Baumwollindustrie). Durch die Weitergabe nicht mehr benötigter Kleidungsstücken an Bekannte, Verkauf über Second-Hand-Läden oder Abgabe bei örtlichen Kleiderkammern können Sie die beschriebenen negativen Auswirkungen vermeiden. Zu unterstützen sind auch Aktionen, bei denen die Kleiderspende den Bedürftigen mit Sicherheit kostenlos zur Verfügung gestellt wird.


Mobilität: Mit dem Fahrrad in Saarbrücken?


Nehmen Sie das Auto, weil Sie Radfahren in der Stadt für gefährlich halten? Das ist nicht nötig, denn auch in Saarbrücken wird Radfahren sicherer und attraktiver. Radeln ist zudem ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz - ohne Lärm und Abgase. Beim Fahren und Parken benötigt das Rad nur ein Minimum an Fläche.

Das Stadtgebiet Saarbrücken ist für das Radfahren ideal geeignet. Die Entfernung der Stadtteile zum Zentrum beträgt max. 4 km und auch im Reisezeitenvergleich mit ÖPNV und PKW ist das Rad konkurrenzfähig. Fast 40 % aller Wege in der Stadt sind nicht weiter als 3 km und damit ideal für eine Verlagerung auf den Radverkehr sind. Denn Strecken bis zu 8 km sind in der Stadt mit dem Rad ebenso schnell zu bewältigen wie mit dem Auto. Damit wären ein Viertel aller Pkw-Fahrten in Saarbrücken vermeidbar. Dabei sind die Möglichkeiten für das Rad noch nicht ausgeschöpft. Schon Jahre sind die Einbahnstraßen auch gegen die Fahrt-Richtung für Radfahrer offen. Seit 1998 gibt es die "Arbeitsgruppe Radverkehr" im Fach-Forum „Stadt und Landschaft gestalten“ der Lokalen Agenda 21 in Saarbrücken, in der über Verbesserungen bestehender Radverkehrsanlagen, über Neuplanungen diskutiert wird. Von der Arbeitsgruppe wurde ein Konzept „Velorouten statt Flickenteppich“ erstellt, das mittlerweile Planungsgrundlage für die Stadtverwaltung ist. Das Konzept weist sogenannte Cityrouten, Stadtteilverbindungen, Erschließungs- und Freizeitrouten aus.

Der Schwerpunkt der Förderung liegt zunächst im Ausbau und Unterhalt der innerstädtischen Radwege. Diese sollen den Radler sicher, direkt und möglichst schnell ins Zentrum führen. Daneben werden bei allen Straßenbaumaßnahmen sowie bei der Erstellung von Verkehrskonzepten die Belange des Radverkehrs besonders berücksichtigt, um in Saarbrücken ein fahrradfreundliches Verkehrsklima zu schaffen.


Mobilität: Weniger Auto geht auch!


Auch der größte Autofan wird eingestehen, dass der motorisierte Individualverkehr Probleme verursacht. 50.000 Fahrzeuge in Saarbrücken reichen aneinandergereiht nach München und zurück! Da die meisten Menschen nicht völlig auf das Auto verzichten können und es nicht darum geht, Autofahren pauschal zu "verteufeln", ist in erster Linie der intelligente Umgang mit dem Auto und die kreative Nutzung umweltfreundlicher Alternativen das Ziel. Eine Möglichkeit besteht darin, das Auto in der Freizeit und bei Kurzstrecken öfter stehen zu lassen. Der Grund: 55 % aller Fahrwege fallen auf den Urlaubs- und Freizeitverkehr und 60 % aller Autofahrten werden im Entfernungsbereich bis zu 5 km zurückgelegt und sind damit vermeidbar. Auf Kurzstrecken wird bis zu 40 % mehr Treibstoff verbraucht als normal. Wenn Sie einmal ausprobieren, ob eine Fahrtstrecke auch zu Fuß, mit dem Rad oder dem Bus zu bewerkstelligen ist, werden Sie feststellen, dass Ihre Mobilität nicht vom Auto abhängt. Weniger Autofahren ist mehr. Mehr an Gesundheit, Umwelt- und damit auch an Lebensqualität.

Eine wichtige Alternative zum Individualverkehr stellt der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) dar. In Saarbrücken ist der Bus erste Wahl, wenn es darum geht bequem, preisgünstig und umweltfreundlich in die Innenstadt zu gelangen. Ein Bus mit 40 Sitzplätzen, nur halb besetzt, kann schon 20 PKWs ersetzen. Dabei verbraucht er jedoch nur soviel Treibstoff wie 3 PKWs. Bus- statt Autofahren bedeutet: weniger Verkehr, Abgase, Lärm, Unfälle, Landschaftszerstörung! Die neue Saarbahn ist für die Bewohner entlang der Schienentrasse eine attraktive Alternative zum Auto. Die steigenden Fahrgastzahlen zeigen, dass die Menschen auf gute Angebote des öffentlichen Nahverkehrs positiv reagieren und ihr Auto stehen lassen, um mit dem ÖPNV in die Stadt zu kommen. Für Auswärtige bietet sich das Park & Ride-System oder das Verbundsystem von Landkreis- und Stadtbussen an.

Eine Alternative für alle, die nur gelegentlich ein Auto brauchen, ist "Car-Sharing". Solch eine Auto-Teil-Gemeinschaft existiert seit 1992 unter dem Namen cambio. auch in Saarbrücken. Der Nutzen: Ein Car-Sharing-Auto spart fünf Privat-Autos ein und damit 10 Tonnen CO2 pro Jahr! Aber auch der finanzielle Vorteil (hohe Anschaffungs- und Fixkosten fallen weg) und die Bequemlichkeit (laufende Wartung, Reparaturen usw. werden vom Verein erledigt) machen dieses System interessant.


Freizeit: Ausflug statt Fernflug - die Region entdecken


In einer Zeit, in ein aufwendiger Konsum und materielle Werte zum Maßstab für uns alle geworden sind, ist es nicht leicht, nein zu sagen und einen anderen Lebensstil zu pflegen. Dies gilt auch für den Freizeitbereich. Gerade hier gerät man leicht ins Abseits, wenn man nicht mithalten kann oder will. Bei Reisen, Trend-Sportarten und Hobbys zeigt sich der moderne Mensch losgelöst von seiner konkreten Umwelt, egozentrisch auf sich und seine Interessen bezogen. Umdenken ist angesagt. Ist ein Mensch zu bedauern, weil er seinen Urlaub daheim verbringt, während die Nachbarn sich regelmäßig zu Fernreisen und Städtetrips anmelden? Ist es mangelnder Wohlstand, wenn man Feierabend oder Wochenende auf dem Balkon genießt? Wer es geschafft hat, Dinge neu zu bewerten und sich aus dem Wettlauf des "größer - besser - weiter - mehr" auszuklinken, entdeckt, dass das Leben mit andere Qualitäten aufweist. Machen Sie sich frei von der Vorstellung, Freizeitgestaltung daheim nur als letzte Alternative zu betrachten. Wenige werden es zugeben, aber der Wochenendausflug "ins Grüne" mit stundenlangen Staus auf der Autobahn, der teure, überlaufene "Familienfreizeitpark", die Reise in die Touristenhochburg per Billig-Flugticket stressen manchmal mehr als dass sie erfreuen.

Es ist nicht entscheidend, wo man etwas zu welchem Preis erlebt, sondern mit welcher Intensität und Qualität. Da kann in unserer reizüberfluteten Gesellschaft z.B. ein Wochenende im Zelt nicht nur für Kinder zum Erlebnis, eine Radwanderung mit Freunden zum "Highlight" des Sommers und der Ausflug mit Picknick zum Familienfest werden. Wann haben Sie sich das letzte Mal Zeit genommen, einfach die "Seele baumeln zu lassen", im Liegestuhl auf dem Balkon zu schmökern, mit Freunden zu kochen oder einen Wochenendkurs bei der Volkshochschule zu belegen? Auch wenn diese Beispiele banal klingen, wer es ausprobiert, merkt, was ihm in der Hektik vieler Freizeitgestaltungen oft fehlt. Dabei bietet Saarbrücken bei Kultur, Sport oder Natur zahlreiche Möglichkeiten des Freizeitvergnügens! Einen guten Überblick über Veranstaltungen, Kultur und Freizeit erhalten Sie über den aktuellen Veranstaltungskalender der Stadt Saarbrücken (auch über Internet erreichbar: www.saarbruecken.de ), der für Sie im Rathaus St. Johann am Informationsschalter ausliegt. Dort werden Sie auch gerne beraten. Gerade in den Ferienzeiten gibt es spezielle Kultur-, Freizeit- und Kinderprogramme über die in der regionalen Presse umfangreich informiert wird.