Nachhaltige Ernährung

Die Überlegungen zu einer nachhaltigen Ernährung muss die Produktion und Verarbeitung der Lebensmittel, deren Bereitstellung (Angebot), die Nachfrage, ihre Zubereitung im Haushalt oder in gastronomischen Einrichtungen sowie die Entsorgung von nichtverwertbaren Verlusten und Resten berücksichtigen.

Die zentrale Fragen lautet: Welche Lebensmittel erfüllen alle oder einzelne Kriterien einer umweltgerechten Herstellung und einer sozial verträglichen Vermarktung? Welche Kriterien sind zu berücksichtigen, welche müssen erfüllt sein, damit wir sicher sein können, dass wir nur das unbedingt Notwendige an Umweltbelastung und das Mögliche beim Verbrauch getan haben?

Genießen ohne Reue

Der heutzutage übliche, übermäßige Verzehr von Fleisch und Wurstwaren begünstigt die Entstehung von Zivilisationskrankheiten. Die übergroße Nachfrage kann nur durch eine Massenproduktion befriedigt werden. Mit der damit erforderlichen Massentierhaltung sind oftmals weitere Probleme und Risiken verbunden, wie z.B. Verfütterung von Tiermehl (BSE) sowie Verabreichung von Antibiotika und Beruhigungsmitteln an Schlachttiere. Zusammengepferchte, verhaltensgestörte Tiere in der Massentierhaltung, künstlich beschleunigtes Wachstum (mit entsprechend schlechter Fleischqualität) und Transporte von "Lebendfleisch" quer durch Europa sind Folgen davon, dass die meisten Verbraucher Fleisch nach dem Motto kaufen: "hauptsächlich viel und billig!". Unterstützt wird dies durch staatliche Subventionen, die Tier- gegenüber Fleischtransporten verbilligen. Nicht nur die Gesundheit des Einzelnen, auch die Umwelt leidet. Mittlerweile fällt soviel Gülle an, dass Grund- und Trinkwasser davon verschmutzt wird. In Südamerika werden riesige Waldflächen gerodet, um Platz für Rinderweiden zu schaffen, damit der Nachschub an "Hamburgern" u.ä. gesichert ist. Die Folge: Vernichtung der Regenwälder mit damit drohenden weltweiten Klimaproblemen und Zerstörung der Artenvielfalt. Wenn Sie den "Sonntagsbraten" genießen möchten, dann liegt eine Möglichkeit darin, lieber weniger Fleisch zu essen, aber dafür mehr auf Qualität zu achten. Damit kann auch der höhere Preis von qualitativ besserem Fleisch kompensiert werden. Unterstützen Sie den "kleinen" Metzger ihres Vertrauens am Ort, der noch weiß, von welchen Bauern er sein Fleisch bezieht. Auch die Bio- oder Öko-Bauern sind eine gute Alternative.

Der Hunger in der Dritten Welt ist u.a. auch eine Folge davon, dass Getreide an Schlachtvieh verfüttert wird. Um 1 Kilo Fleisch zu produzieren bedarf es ca. 7 Kilo Pflanzen! Dies ist keine Veredelung von Lebensmitteln, sondern Verschwendung. Festgestellt wurde, dass 10 % weniger Fleischverzehr bei uns weltweit 60 Millionen Menschen zusätzlich ernähren könnte.

Frisches der Saison aus der Region

Auf dem Saarbrücker Bauernmarkt können Lebensmittel direkt vom Bauernhof erworben werden. Die regionalen Produkte müssen keine langen und umweltschädlichen Transportwege zurücklegen. Wie sinnvoll ist es, z.B. Kartoffeln und Zwiebeln in Saarbrücken zu kaufen, die durch halb Europa hierher gebracht oder eingeflogen wurden? Dasselbe gilt auch für Karotten, Äpfel, Zwetschgen, Kohl oder Milch. Zudem ist es auch aus gesundheitlicher Sicht günstiger, Gemüse- und Obstarten zu essen, die zu der entsprechenden Zeit am jeweiligen Ort wachsen. Eine Besonderheit der Direktvermarktung ist auch der persönlichen Kontakt zum Erzeuger. Die Herkunft der Lebensmittel ist für die Verbraucher nachvollziehbar, was für diese in Zeiten von BSE, Gentechnik usw. immer wichtiger wird. Darüber hinaus wirtschaftet die Hälfte der Anbieter im kontrolliert biologischen Landbau (Bioland, Naturland).

Der "Saarbrücker Bauernmarkt" besteht seit Juli 1995 und findet jeden Samstag von 8.00 bis 13.00 Uhr auf dem St. Johanner Markt mit einem vielfältigen Angebot statt. Von Brot, Fleisch- u. Wurstwaren, Käse/Milchprodukten, Gemüse, Getreide, Eier, Kartoffeln, Obst bis hin zu selbstgemachten Marmeladen, Honig, Kuchen und Gebäck bietet der Bauernmarkt alles, was Herz bzw. Magen begehrt. Auch eine große Auswahl an ökologisch angebauten frischen Kräutern im Bund und im Topf ist in Saarbrücken erhältlich. Zusätzlich werden auf dem Saarbrücker Bauernmarkt immer wieder "Sonderaktionen" durchgeführt.

Nutzen Sie die Möglichkeit, Frisches aus der Region direkt vor Ort zu kaufen. Sie unterstützen damit gleichzeitig die Existenz der heimischen Gärtner und Händler.

Leitkriterien für eine nachhaltige Ernährung:

Ökologie

Unter dem Oberkriterium Ökologie finden sich u.a. die Kriterien Abfall/Verpackung, Energieverbrauch, Pflanzenschutzmittel und Düngemittel, Emissionen.

  • Belastung der Biosphäre
  • Hormone, Antibiotika
  • Pflanzenbehandlungsmittel
  • Düngemittel
  • Gentechnik
  • Tierschutz
  • Tierhaltung
  • Wohlempfinden von Tieren
  • ökologische Vielfalt
  • Artenvielfalt
  • genetische Vielfalt
  • Ressourcen
  • Luft
  • Energieverbrauch
  • Wasserverbrauch
  • Flächenverbrauch
  • Reststoffe
  • Recyclingquote
  • Rücklaufquote
  • Verpackung
  • Restabfall

Soziales

Nicht nur Kinderarbeit ist zutiefst unsozial, sondern auch die Ausbeutung der restlichen Welt für die wenigen Industriestaaten der nördlichen Hemisphäre. Hunger ist brutal, Armut unerträglich, soziale Gerechtigkeit gilt nicht nur für uns, sondern weltweit. Deshalb sollte auf folgende Kriterien geachtet werden:

  • Internationale Gerechtigkeit
  • Unterernährung
  • Handelsbedingungen
  • Menschenrechte
  • Arbeitsbedingungen
  • Regionalität
  • Rohstoffe
  • Verarbeitung
  • Vermarktung
  • Beschäftigung
  • Arbeitsplätze
  • Ausbildungsplätze
  • Lohnniveau
  • Gesundheitsverträglichkeit

Ökonomie

Eine gut funktionierende Wirtschaft ist die Voraussetzung für eine gute und umfassende Bedürfnisbefriedigung aller Menschen. Dafür bedarf es aber staatlicher Kontrolle und eindeutiger Regelungen über Herstellung und Verkauf von Produkten. Wichtig dabei sind:

  • Industrielle Produktqualität
  • Liefersicherheit
  • Verpackung
  • Verarbeitbarkeit
  • Ertragsschwankungen
  • Kosten
  • Transportkosten
  • Rohstoffkosten
  • Energiekosten
  • Arbeitskosten
  • Fixkosten
  • Mitarbeiter/Humankapital
  • Identifikation mit dem Unternehmen
  • Qualifizierung/Weiterbildung
  • Eigenverantwortung
  • Partizipation


Daraus ergeben sich an Sie als Konsument folgende Handlungsempfehlungen:

  • Fragen Sie nach genauen Produktinformationen wie Herkunft, Inhaltsstoffe u.a. Oder wollen Sie mit dazu beitragen, dass Kinderarbeit sich lohnt?
  • Stellen Sie schrittweise Ihre Ernährungsweise um unter Berücksichtigung der Gesundheits- und Umweltschädlichkeit. Denn es ihr Wohl und Wehe, dass dadurch betroffen ist. Für eine gesunde Ernährung ist eine überwiegend pflanzliche Kost ratsam.
  • Geben Sie den Lebensmittelherstellern ein Feedback zu Ihren Auffassungen eines gesunden Lebensmitteln. Wenn Sie ein Produkt nicht kaufen, geben Sie ein Signal, wenn Sie sich aktiv zu Wort melden tragen Sie zur Meinungsbildung bei.
  • Fragen Sie verstärkte nach regionalen und saisonalen Produkten. Erdbeeren im Winter müssen ja nicht sein. Auch selbstgemachter Joghurt ohne Tausende von Transportkilometern schmeckt lecker. Auch Ihre Mitarbeit in Verbraucherbeiräten lohnt sich. Fragen Sie Ihre Verbraucherzentrale.
  • Fordern Sie auch in Kantinen und Cafeterien Gerichte, die gesund und umweltfreundlich hergestellt werden.

Auch die häusliche Eigenproduktion ist ein wesentlicher Beitrag zu einer gesunden und umweltfreundlichen Ernährung.

Das Umweltbundesamt hat in seinem Handbuch Ausgabe 1999) für den umweltbewussten Haushalt die Prinzipien konkretisiert:

  • Vergrößern Sie den Anteil von ökologisch erzeugten Produkten, die Sie verzehren
  • Achten Sie auf eine umfassende Produktkennzeichnung
  • Vermeiden Sie auf Lebensmittel mit problematischen Zusatzstoffen
  • Vermeiden Sie auf bestrahlte Produkte oder Rohstoffe
  • Kaufen Sie regional erzeugte Produkte.
  • Kaufen Sie möglichst kein Gemüse aus dem Gewächshaus
  • Verringern Sie Ihren verzehr an Fleisch
  • Achten Sie auf die Gewährleistung der BSE-Freiheit der Produkte.
  • Vermindern Sie den Verzehr von Süßwaren und Alkohol
  • Verzichten Sie auf Getränke in Dosen
  • Vermeiden Sie Verbundverpackungen
  • Kaufen Sie Waren der Saison aus Freilandproduktion
  • Achten Sie auf Mehrwegverpackungen
  • Achten Sie auf die Reduktion von Verpackungsmaterial

Biologischer Warenkorb

Das Freiburger Öko-Institut hat die Ausgaben eines 4-köpfigen Haushalts für Lebensmittel aufgrund statistischer Angaben berechnet und einige der Lebensmittel aus konventionellem Anbau durch solche aus biologischer Herkunft substituiert. Die Bio-Produkte waren alle in einem Bio-Supermarkt erhältlich. Folgende Produkte wurden von konventionell auf biologisch umgestellt:

  • Milch
  • Butter
  • Eier
  • Kartoffeln
  • Weizenmehl
  • Reis
  • Teigwaren
  • Brot
  • Kaffee
  • Bananen

Als Ergebnis eines Kostenvergleichs ergaben sich Mehrkosten in Höhe von 80,- DM monatlich bzw. ein relativer Kostenanstieg um 8,6%. In einem weiteren Szenario wurde der Verbrauch an Fleisch, Fleischwaren sowie Zucker, Süßwaren und Marmeladen um ein Drittel reduziert und die Bio-Produktpalette wie im ersten Szenario beibehalten. Durch den Minderkonsum ergaben sich dann für eine ökologisch sinnvolle Lebensführung Ausgaben in etwa der Höhe, wie sie für einen sich konventionell ernährenden Haushalt anfallen.